
Die Legende der Flying Finns
Die erste Arpiem, die die Welt des Rallyesports erkundet, ist den legendären "Flying Finns" gewidmet, jenen unerschrockenen finnischen Piloten, die zwischen den späten 50er und den 2000er Jahren die Rallye-Weltmeisterschaften prägten.
Diese Fahrer erlernten das Fahren auf Schnee und Eis schon in jungen Jahren am Steuer abenteuerlicher Autos, die oft umgebaut werden mussten, damit sie überhaupt die Pedale erreichten. Auf dem Spielplatz der gefrorenen Seen und finnischen Wälder entwickelten sie einen unglaublichen Sinn für Balance und Angriffslust.
Rauno Aaltonen und Pauli Toivonen traten als Erste gegen die europäische Rallye-Elite an und führten eine neue Technik ein: das Bremsen mit dem linken Fuß. Das Prinzip dieses Fahrstils bestand darin, eine maximale Kurvengeschwindigkeit zu gewährleisten. Dazu bremsten sie mit dem linken Fuß, während sie den Gasfuß leicht entlasteten, ohne ihn jedoch ganz zu lösen. So stabilisierten sie das Auto, ohne es in einem weiten Drift zu blockieren, und hielten gleichzeitig die Drehzahl hoch, um optimal aus der Kurve herauszubeschleunigen.
Dieser spektakuläre Stil begründete die Popularität dieser furchtlosen Piloten, die von ihrem "Sisu" angetrieben wurden, jener finnischen Art von Entschlossenheit. Vier Jahrzehnte lang prägten sie die Rallye-Szene; die berühmtesten und erfolgreichsten unter ihnen waren Hannu Mikkola, Ari Vatanen, Markku Alen, Juha Kankkunen, Henri Toivonen, Tommi Mäkinen und Marcus Grönholm. In diesem Zeitraum gewannen insgesamt 14 "Flying Finns" mindestens einen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft. Ihre Vornamen sind auf dem Zifferblatt der "Flying Finns" verewigt.

Diese Legende verblasste mit dem Aufkommen eines gewissen Sébastien Loeb. Loeb setzte einen Kontrapunkt zu den Finnen, indem er die Geschwindigkeit am Kurvenausgang und das Beschleunigen gegenüber der Eingangs- und Kurvengeschwindigkeit priorisierte. Mit höherer Geschwindigkeit aus der Kurve herauszukommen, ermöglicht es, die nächste Kurve schneller zu erreichen. Vorbei waren die Zeiten der weiten Drifts und großzügigen Gegenlenkmanöver; das Ziel ist nun, die vier Räder so schnell wie möglich wieder in eine Linie zu bringen, um Haftung und Traktion zu maximieren. Und Loeb wurde neunmal in Folge Weltmeister.
Es war das Ende der "Flying Finns", ihres Stils und ihrer Einzigartigkeit, aber nicht das der finnischen Fahrer: Mikko Hirvonen, Esapekka Lappi und natürlich Kalle Rovanperä, der mit 23 Jahren Doppelweltmeister wurde, sorgen auch weiterhin dafür, dass finnische Piloten auf höchstem Niveau im Rallyesport vertreten sind.


